Im Unterschied zu Pils und Export, Kölsch und Alt, Bock und Doppelbock seine hochgradige „Rezenz“: die sprudelnde Frische durch besonders reiche Kohlensäure, deren quirlige Bläschen in die aromatische, steife Schaumhaube (Brauerjargon: „Brimse“) schwirren. Seit Luthers Zeiten schätzen die Bayern den würzig-fruchtigen Geschmack ihres „Weißbiers“, wie es auch genannt wird. Weshalb? Die einen erklären’s mit einer Verschleifung des „z“ in „Weizen“, die nächsten mit dem „Aufweißen“ der Kräuse, der im Gärprozeß aufsteigenden Hefezellen. Mit Weißbier darf Weizen also gleichgesetzt werden.
Zitrone zum Weißbier – eine Unsitte. Ursprünglich sollte sie Bitterstoffe binden, heute verfälscht sie den reinen Geschmack, und das Öl der Schale wirkt auf die kostbare Blume verheerend. Auch Reis- oder Salzkörner verursachen nach kurzem verschärften Sprudeln lediglich frustrierende Schalheit.
Ganz gleich, ob dunkles, ob naturtrübes, ungefiltertes Hefe- oder ob klares Kristallweizen – fast die Hälfte des Jahresausstoßes wird in der Gastronomie genossen. Vielleicht deshalb gelten Deutschlands 14 Millionen Weizenbiertrinker als besonders gesellig. 43 Prozent von ihnen übrigens, mehr als bei jedem anderen Bier, sind weiblichen Geschlechts. Und zwar nicht, weil Weißbier etwa „softer“ wäre – weist das obergärige Vollbier doch mit 5,4 Prozent den höchsten Alkoholgehalt aller Bräusorten auf, von Starkbier einmal abgesehen.
Worin auch immer sein Geheimnis besteht: In Maßen genossen, scheint das Weizen einen löblichen Beitrag zur Gesundheit, Geselligkeit und Geschlechterverständigung zu leisten. Was kann man von einem Sommergetränk mehr verlangen?