Berg und Tal
Das Trentino ist die nördlichste Weinbauregion Italiens und gilt als Heimat des Grappa und des Spumante. Aber Tresterschnaps und Schaumwein gäbe es nicht ohne entsprechende Weine – und davon hat diese Landschaft einige hervorragende zu bieten, wie unsere Reise von den Dolomiten bis zum Gardasee zeigt.
Postkartenpanorama Reist man von Österreich kommend über die A 22 in Richtung Mittelmeer, sollte man spätestens in San Michele all’Adige die Autostrada verlassen und sich gemächlich über die Landstraße nach Süden bewegen. Was sofort auffällt, ist die Allgegenwart der bis zu 3000 Meter hohen Dolomiten mit ihren zahlreichen Ausläufern und Tälern. Mal wild, kahl und zerklüftet, mal sanft geschwungen in leuchtendem Grün lenken sie den Blick wie von selbst in den Himmel. Doch nicht nur die Gletscherberge bestimmen die Landschaft, eine Vielzahl von Bächen, Flüssen und Seen, von denen es hier weit über 300 gibt, machen das eindrucksvolle Postkartenpanorama perfekt.
Ideale Bedingungen für Rebsorten
Wie ein wegweisender Korridor frisst sich das Etschtal durch die Ausläufer der Alpen bis hinunter zum Gardasee und dem Vallagarina. Seit der Römerzeit werden an seinen östlichen und westlichen Hängen sowie in einigen Seitentälern Weintrauben angebaut, in schwindelerregenden Hanglagen wie in den weiten, flachen Talsohlen. Dabei wirkt das rund 70 Kilometer lange Tal dank seiner Nord-Süd-Ausrichtung wie ein gigantischer Warmluftkanal, der roten und weißen Rebsorten ideale Bedingungen bietet.
Pinot Grigio und Müller-Thurgau
Lange Zeit war der Pinot Grigio (Grauburgunder) im Trentino der dominierende Wein und verkörperte das, was man im Ausland an Wein aus dem Norden Italiens kannte. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass im Trentino weitaus mehr Rebsorten gedeihen. Im Valle di Cembra nördlich von San Michele all’ Adige beispielsweise hat der Müller-Thurgau in aufwändig angelegten und gepflegten Hangterrassen eine ideale Heimat gefunden. Er schmeckt würziger und kräftiger als die aus Deutschland bekannten Tropfen derselben Rebsorte.
... „stiller Wein, der zum Reden bringt“
Auf der gegenüberliegenden Talseite nahe der Orte Mezzocorona und Mezzolombardo liegt die Piana Rotaliana, ein weites, fruchtbares Schwemmland, von drei Seiten durch hohe Felswände vor Wind und Kälte geschützt. Das ist die ursprüngliche Heimat der Teroldego-Rebe, aus der ein zart duftender Rotwein mit dem trockenen, vollen Geschmack von Kirschen, Pflaumen, Rauch, Erde und Maulbeeren gekeltert wird. Er galt schon zur Zeit des Trentiner Konzils (1545–1563) als „stiller Wein, der zum Reden bringt“.
Eine Fahrt durch das Etschtal ist wie eine Entdeckungsreise: Jede Kurve öffnet neue Ein- und Ausblicke, und fast jede Ortschaft hält andere Weine bereit. Kein Wunder, denn 117 der 222 Ortschaften des Trentino liegen in einer D.O.C.-Region (siehe unten) – da gibt es viel zu erkunden.
Weitere Infos unter www.trentino.to + www.gardatrentinonline.it