Badischer Wein – von der Sonne verwöhnt
In keiner deutschen Region scheint die Sonne so intensiv wie in Baden – was nicht nur Obst und Gemüse ausgezeichnet bekommt.
Von allen Weinen unseres Landes erzielen die badischen Weine das höchste Mostgewicht – und das in allen Qualitätsstufen.
Guter Wein muß nicht teuer sein
Gute Weine müssen teuer sein – ein Vorurteil, das besonders von Händlern gepflegt wird ... Bestes Gegenargument: die Weißen Burgunder vom Weingut Bercher aus Vogtsburg-Burkheim am Kaiserstuhl. Sie zählen zu den feinsten Tropfen, die in dem südlichsten aller deutschen Weinanbaugebiete gekeltert werden, extraktreich und harmonisch, mit eleganter Fruchtdichte und einem Nachhall von zartsüßer Würze – und das für weniger als 8 Euro die Flasche.
Auch der trockene 2004er Spätburgunder der Gebrüder Rainer und Eckhardt Bercher ist so ein Beispiel: charaktervoll und ausdrucksstark, mit Aromen von Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, und trotzdem von schmeichelhafter Lieblichkeit. Ein Wein, um den sie so mancher Winzer aus dem Burgund, der Heimat der Rebsorte, beneidet. Gerade mal 9,10 Euro zahlt der genießerische Kenner für die Flasche.
Klasse statt Masse
Mit rund 15 483 Hektar ist Baden zwar das drittgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands, mit einem Ertrag zwischen 74,95 und 100 Hektolitern pro Hektar und Ernte bildet es aber meist das Schlusslicht — wenn man von Saale-Unstrut und Sachsen einmal absieht. Klasse statt Masse, so lautet die einfache Erklärung für die Qualität der von Bercher und ihren Kolleginnen und Kollegen produzierten Weine. Ertragsreduzierung im Weinberg bedeutet: strenger Rebschnitt und Ausdünnung im Sommer, mehrmalige Lese nur der reifsten Trauben, und zwar von Hand, strikte Qualitätskontrolle vor dem Pressen, schonende Vergärung der Maische sowie Lagerung wahlweise in Stahltanks oder Holzfässern.
Am Kaiserstuhl
1935 war es, als der Landarzt und Hobbywinzer Dr. Max Heger sein Weingut am Kaiserstuhl gründete. Heute leitet sein Enkel Joachim den Betrieb, den er an die Spitze der badischen Winzer führte. Auch wenn er die meisten seiner Weißweine im Stahltank lagert, gilt er als Pionier des Barrique-Ausbaus. Die 225-Liter-Eichenfässer geben dem Rebensaft zusätzliche Aromen, mehr Struktur und eine potenziell längere Lagerfähigkeit. Die trockenen, duftigen Silvaner, Weiß- und Grauburgunder besitzen elegante Leichtigkeit, Spritzigkeit und Fruchtigkeit. Die Spätburgunder – allen voran der ,,Mimus“ – beeindrucken durch Tiefe und Ausdruck und sind doch ungemein weich.
Kein Wunder, dass sie zu den besten (und teuersten) deutschen Weinen überhaupt gehören.Während das milde Klima und der vulkanische Boden rund um den Kaiserstuhl den Weinen – vorwiegend Burgundersorten, Ruländer, Müller-Thurgau, Riesling und Silvaner – Kraft und Eleganz verleihen, überwiegen nördlich des Bodensees leichte, fruchtige, früh trinkreife Weine: hauptsächlich Müller-Thurgau und Spätburgunder Weißherbst, die bis zu einer Höhe von 570 Metern auf urzeitlichen Endmoränenböden angebaut werden.
Das Markgräflerland
Zwischen südlichem Schwarzwald und Rhein liegt das Markgräflerland, das vor allem durch eine Rebsorte bekannt ist: den Gutedel, in Frankreich Chasselas genannt, in der Schweiz Fendant oder Dorin. Von den ungefähr 1200 Hektar, auf denen Gutedel in Deutschland angebaut wird, befinden sich 1169 in diesem Landstrich. Dank der kalkhaltigen Böden haben die Weine eine fruchtig-leichte Note, aber wenig Alkohol und Säure. Sie können allerdings nicht über längere Zeit gelagert werden.
Das macht diese Sorten zu idealen Sommerweinen. Wie im gesamten badischen Raum stellen auch im Markgräflerland Winzergenossenschaften – etwa in Pfaffenweiler – angenehm frische, ausdrucksvolle und harmonische Weine her, die zudem recht preiswert sind. Der Gutedel ist übrigens eine der ältesten Kulturreben überhaupt: In einer ägyptischen Oase wurden Gutedel-Traubenkerne aus der Epoche um 3000 v. Chr. gefunden.
Das Breisgau
Ohne das Breisgau, das Gebiet zwischen Freiburg und der Lahr, wäre Baden um einiges ärmer. Auf den sonnenreichen Vorbergen des Schwarzwalds wachsen vornehmlich Badens Ursorten Ruländer (bzw. Grauburgunder) und Spätburgunder, aus denen fruchtig-spritzige, ja beinahe ,,grüne“, aber auch kräftige, bouquetreiche Weine gekeltert werden. Karl Heinz Johner und Sohn Patrick in Bischoffingen, Fritz Keller in Oberbergen sowie Reinhold und Cornelia Schneider in Endingen heißen die herausragenden Winzer der an guten Weinbauern ohnehin schon nicht armen Region. Durch kompromissloses Qualitätsmanagement haben sie den Weinen des Breisgau ein durchaus internationales Renommee verschafft.
Badens ,,gute Stube“
Von Baden-Baden nach Südwesten zieht sich Badens ,,gute Stube“: Auf den steilen, verwitterten Granithängen Ortenaus wachsen Trauben für feingliedrigen Riesling und samtigen Spätburgunder. Gute Jahrgänge bieten das gesamte Qualitätsspektrum – vom einfachen Qualitäts- bis zum hochkonzentrierten Eiswein. Rieslinge und Weißburgunder von Andreas Laible aus Durbach sowie Rieslinge und Spätburgunder von Gisela Joos‘ Weingut Schloss Neuweier in Baden-Baden zählen zu den besten der Region. Preislage: um die 10 Euro.
Die Badische Bergstraße
Quasi ein wenig im Schatten der größeren Weinbaugebiete liegt die Badische Bergstraße/Kraichgau. Vor allem Müller-Thurgau, Riesling, Weiß- und Grauburgunder, deren Reben auf den Lösshängen bzw. Verwitterungsböden aus Granit wachsen, erweisen sich als vollmundig und rassig — mit großem Lagerpotenzial.
Tauberfranken
Last, not least: Tauberfranken. Wo Bayern, Baden und Württemberg sich treffen, bringen Muschelkalk- und Buntsandsteinböden sowie kühles Klima langsame Reife, aber reiches Aroma. Vor allem Müller-Thurgau erreicht eine Zartheit und Vielschichtigkeit, die jedem ,,Schlotzwein“-Schimpfwort hohnspricht.