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Bier – ein ganz besonderer Saft
Kaum ein Getränk ist so vielfältig und alt wie Bier. Ob hell oder dunkel, Pils oder Export, Kölsch oder Alt – Bier ist nicht nur ein gesunder Durstlöscher, sondern auch eine faszinierende Kochzutat.
Flüssiges BrotSchon die Ägypter und Sumerer brauten 3000 v. Chr. Bier, es war damals sogar verbreiteter als Wein. Im 12. Jahrhundert v. Chr. stellte der ägyptische König Ramses III. seinen Bauarbeitern jährlich 36 000 Liter Wein und 57 000 Liter Bier zur Verfügung. Den Mönchen von St. Gallen standen im Mittelalter täglich vier Liter Bier zu. Bier war für viele Menschen nicht nur ein Getränk, sondern ein Nahrungsmittel. Dass Bier „flüssiges Brot“ ist, weiß der Volksmund noch heute. Allerdings darf man davon ausgehen, dass das damalige Bier nicht so einen hohen Alkoholgehalt hatte wie unser heutiges und durch zahlreiche Gewürze und Kräuter aromatisiert wurde.
Entscheidend für das, was wir heute Bier nennen, ist das Jahr 1516: Am 23. April jenes Jahres verkündeten der bayerische Herzog Wilhelm IV. und sein jüngerer Bruder Ludwig X. auf dem Landständetag (Zusammenkunft der Vertreter des Adels, der Prälaten und der Abgesandten der Städte und Märkte) in Ingolstadt das Reinheitsgebot für Bier. Danach darf Bier in Deutschland nur aus Gerste(nmalz), Hopfen und Wasser gebraut werden.
Kölsch, Alt und Weizenbier ...
Auch am Prinzip der Herstellung hat sich bis heute wenig geändert: Das geschrotete Gerstenmalz wird mit warmem Wasser vermischt und im Maischebottich langsam auf 90° Celsius erhitzt. Dabei verwandelt sich die im Getreide enthaltene Stärke in Zucker, und langkettige Eiweißstrukturen werden in kurzkettige gespalten, was die spätere Haltbarkeit des Bieres verbessert. Nachdem die unlöslichen Stoffe entfernt worden sind, wird die verbleibende Flüssigkeit, Würze genannt, zusammen mit dem Hopfen gekocht. Dies geschieht, um die Würze zu sterilisieren, die Bitterstoffe aus dem Hopfen zu lösen und den gewünschten Stammwürzegehalt zu erzielen.
Nachdem die Würze abgekühlt ist, werden ihr Hefe und Sauerstoff zugesetzt. Jetzt beginnt der eigentliche Gärprozess, bei dem der Zucker in Alkohol umgewandelt wird. Je nachdem, welche Hefen verwendet werden und bei welcher Temperatur die Gärung abläuft, spricht man von obergärigem oder untergärigem Bier. Obergäriges Bier wie z. B. Kölsch, Alt, Weizenbier, Ale oder Stout wird mit (ca. 25° Celsius gebraut, untergäriges Bier wie z. B. Pils, Export, Bockbier oder Lager gärt bei ca. 5° Celsius gärt. Nach fünf bis zehn Tagen ist die Brauprozess abgeschlossen. Das fast fertige Bier wird gefiltert und sechs bis acht Wochen bei 2° Celsius gelagert.
Na, denn Prost!
Niemand weiß genau, wie viele verschiedene Biere in Deutschland gebraut werden. 6000 (!), so wird geschätzt, sollen es sein. Täglich kommen neue dazu, andere verschwinden. Das gilt auch für die Anzahl der Brauereien. Im Jahre 2006 gab es nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes in Deutschland 1284 Braustätten, die über 107 Millionen Hektoliter Bier produzierten. Weltweit werden pro Jahr rund 250 Milliarden Halbliterflaschen Bier geleert, das sind fast 4000 Liter pro Stunde. Das meiste fließt sicherlich durch durstige Kehlen, ein Teil davon wird aber auch zum Kochen genutzt. Am bekanntesten und verbreitetsten sind sicherlich die Biersuppe und der Bierteig. Es gibt noch viele andere Gerichte, die einen Schluck Bier gut vertragen: Gulasch z. B. bekommt durch das Ablöschen mit dunklem Bier einen etwas herberen Geschmack. Bier verleiht eingelegten Matjesfilets eine prickelnde Note, und mit Berliner Weiße lässt sich ein prächtiges Sorbet zaubern.