
Foto: Sabine von Breuning
Ein Stück vom Glück
Die sanften Hügel der Pfalz, ein romantisches Weingut, eine lebenslustige Powerfrau und ein Riesling, der ganz natürlich wachsen durfte.
Herzlich willkommen bei Christine Bernhard!
Den Gaumenkünsten der Winzern verfallen
Es sieht aus wie ein bunter Blumenstrauß. Doch das Wunderwerk entpuppt sich als Wildkräutersalat, frisch gepflückt von Christine Bernhard. Im Frühjahr findet die Winzerin die Naturkost zwischen den Reben. Jetzt im September muss Frau Bernhard im parkgroßen Garten ihres Weingutes suchen. Je nach Jahreszeit landen Giersch, Erdbeerblätter, Vogelmiere, Butterblume, weißer Klee und Gänseblümchen auf dem Teller. Skepsis, ein mutiger Biss, dann die Offenbarung. Noch einen Schluck des prämierten Grauburgunders mit Zitrusanklängen dazu – und schon ist man Christine Bernhards Gaumenkünsten verfallen!
Sinnliche Entdeckungsreise
Die Sinne gehen in vielfältiger Weise auf Entdeckungsreise auf dem Weingut Janson Bernhard in Harxheim im Pfälzer Zellertal. Ein Traditionshaus, gegründet vor gut 250 Jahren von Mennoniten. Das Fischgrätfachwerk am Giebel des ältesten Gebäudes erzählt von den holländischen Vorfahren. Später kamen Ställe, Lagerräume, ein herrschaftliches Wohnhaus dazu, idyllisch umgeben von einer alten Natursteinmauer.
Ausgezeichnete Autodidaktin
Christine Bernhard hatte keine Ahnung vom Wein, als sie 1993 auf das elterliche Gut zurückkam. Da waren die Fässer bereits seit fünf Jahren verkauft, die Weinberge verpachtet. „Irgendwie bin ich ganz naiv an die Sache herangegangen, habe einfach eineinhalb Hektar Weinberg gepachtet und losgelegt.“ Die Autodidaktin beschloss, Wein ohne chemischen Pflanzenschutz, Mineraldünger und Gentechnik zu produzieren, auch wenn das etwa 30 Prozent weniger Ertrag bedeutete. „Ich habe eine große Liebe zur Natur und Ehrfurcht vor dem Boden.“ Sie hat sich durchgekämpft. Heute ist die Diplom-Agraringenieurin eine Winzerin mit Know-how, die auch bei Wetterkapriolen gelassen bleibt. „Die Rebe ist ein Hungerkünstler“, sagt sie. „Selbst in dieser trockenen Gegend holt sie sich mit ihren bis zu 80 Meter tiefen Wurzeln, was sie braucht.“ Und tankt dabei tief unten in der Erde ihre Mineralität. Die Qualität wächst im Weinberg, weiß sie. Also hängt sie ihre Rebstöcke nicht an den Tropf, sieht zu, dass es ihnen gut geht. Sie habe im Weinberg Geduld gelernt und Maß zu halten, denn hier im Hang bestimmt die Natur. Das Ergebnis: hervorragende Weine, von den Magazinen „Feinschmecker“ und „stern“ gelobt, von „Selection“ ausgezeichnet.
Die Power-frau
Aber Christine Bernhard produziert nicht nur prämierte Öko-Weine und Zusatzprodukte wie Holunderblütenessenz, Cumberlandsauce und Rieslingessig. Souverän jongliert die Power-frau mittlerweile zwischen Denkmalamt, Weinberg, Kunstausstellung im ehemaligen Kuhstall, Menübesprechung für die nächste Geburtstagsfeier und Kreditverhandlungen mit der Bank. Als Stress empfindet sie ihr Riesenprogramm nicht. „Wer kann schon so vielseitig arbeiten und mit der Natur leben?“, sagt sie. Dabei serviert sie den nächsten Gang im Garten und schenkt zu den gefüllten Kürbisblüten ihren Bestseller ein, eine Riesling-Spätlese.
Weitere Infos zu den Weinen, dem Weingut und den Veranstaltungen von Christine Bernhard unter www.jansonbernhard.de.