Der Wein des Don Giovanni
Bereits vor mehr als 200 Jahren wurde in einer Oper von Wolfgang Amadeus Mozart ein „eccellente Marzimino“ getrunken. Dass das heutzutage jedem möglich ist, beweist eine erfolgreiche Spurensuche…
Diabolische Süße
Tausendunddrei Frauen hat er geschändet, allein in Spanien, und obendrein ein Grabmal. Keine Lüge war ihm zu dick, kein Alibi zu dünn für seine Unersättlichkeit. Am Ende aber holte ihn doch der Teufel. So weit ist sie bekannt, die Geschichte des ewigen Unholds, der zum Titelhelden der Oper aller Opern wurde. In der 13. Szene des zweiten Akts preist Don Giovanni kauend einen „eccellente Marzimino“. Der Wein buchstabierte sich damals hinterm z mit i und war vermutlich – man verfügte im 18. Jahrhundert über vergleichsweise bescheidene Kellertechnik – sehr viel süßer als heute. Die Südtiroler begegnen dem Marzemino zwar mit einem gewissen Misstrauen, das sich aus einer historisch bedingten Distanz gegenüber allem „Italienischen“ speist – aber es gibt ihn. Er ist zusammen mit dem Teroldego einer der beiden autochthonen Weine des Trentino, das heißt, er wächst nur dort.
Idyllisches Anbaugebiet
Der Weg zum Marzemino führt also von Bozen nach Süden. Hinter den steilen, engen Kalkfelsen von Mezzocorona, wo sich das Adige-Tal nach Süden hin weitet, werden einige der besten Marzeminos gekeltert, wie zum Beispiel bei Armando Simoncelli in Rovereto. Vater Simoncelli hat das Anwesen einst inmitten der Reben zwischen Bahngleisen und Fluss gebaut. Von ihm hat Armando die Azienda übernommen. Erst der Sohn aber machte aus gewöhnlichen Landweinen Qualitätsgewächse. Italiens Weinführer Nummer eins, der „Gambero Rosso“, zeichnet sie alle Jahre wieder mit ein oder zwei von drei möglichen Bewertungs-Gläsern aus. Als wir durch den Weinberg gehen, weht ein warmer Wind durch die Pergola. „Der kommt vom Gardasee“, sagt Simoncelli. „Morgens weht es zwei Stunden kalt von Norden. Gegen Abend zwei Stunden warm aus dem Süden.“ Das Klima, nachts kalt, tags warm, und der Boden, gut ein halber Meter vom nahen Fluss angeschwemmtes Land überm Felsen, bestimmen die Qualität und die Typizität der Simoncelli-Weine. „Daher der Mandelgeruch“, sagt er, „das Fruchtaroma, das herb Delikate.“
Eine echte Rarität
150000 Flaschen jährlich füllt er vom Don-Giovanni-Wein ab. 80 Prozent bleiben im Land, 20 Prozent exportiert er. „Unsere Weine sind in den letzten Jahren ständig besser geworden“, sagt Simoncelli. „Nur das Trentiner Marketing ist immer noch schlecht.“ Was, wenn es besser wäre und ihm die Deutschen massenhaft die Bude einrennen würden? „Ich würde alle Italiener zum Teufel jagen“, sagt er pfiffig. „Die Deutschen zahlen sofort!“