Franciacorta – Italiens Prickeln
Die Franciacorta ist für Italien das, was die Champagne für Frankreich ist: eine berühmte Weinregion und ein perfekt perlender Schaumwein, der ausschließlich in dieser Region hergestellt werden darf.
„Festival del Franciacorta“
Jedes Jahr im September treffen sich die Winzer der kleinen Weinregion Franciacorta im Osten der Lombardei, zwischen Bergamo und Brescia, zum „Festival del Franciacorta“. Außenstehenden erscheint dieses Festival wie ein feucht-fröhlicher Betriebsausflug, denn natürlich kennen sich die Winzer untereinander, und nicht selten arbeiten die Kinder des einen Winzers bei einem Kollegen ein paar Dörfer weiter. Andererseits ist dieses Festival auch der Ort, an dem die Produzenten der Öffentlichkeit ihre besten Schaumweine präsentieren.
Da stehen die Großen der Branche freundlich schwatzend neben kleinen Produzenten, da wird diskutiert und gestikuliert, gelacht – und probiert. Zwei Tage lang im wunderschönen Innenhof der Villa Lechi di Erbusco, organisiert vom Consorzio per la tutela del Franciacorta, dem Interessenverband der regionalen Winzer. Zwei Tage braucht man aber auch, um die über 100 verschiedenen Tropfen der rund 40 Franciacorta-Weingüter angemessen zu probieren. Unermüdlich werden währenddessen die Teller mit Käse, Wurst, Brot und Gebäck gefüllt, denn Probieren macht hungrig.
Wer nicht die Zeit hat, die romantische, etwa 80 Kilometer lange „Strada del Vino Franciacorta“ entlangzufahren und auf diese Weise die einzelnen Weingüter, die kleinen Ortschaften, Burgen und Klöster kennen zu lernen, hat in den zwei Tagen des Festivals die Gelegenheit, sich zumindest einen Überblick über die verschiedenen Franciacorta-Schaumweine zu verschaffen, die immerhin auf eine über 400-jährige Tradition zurückblicken können und 2001 bei der Hochzeit des norwegischen Thronfolgers Haakon Magnus und Mette-Marit sowie beim Besuch der Königin von England in Italien gereicht wurden.
„Weins mit Luftbläschen“
In seinem 1570 erschienenen Buch „Libellus de Vino Mordaci“ beschreibt der Arzt Girolamo Conforti aus Brescia detailgetreu die Herstellung des „Weins mit Luftbläschen“. Zwar wurde auch in den darauf folgenden Jahrhunderten in der Franciacorta Schaumwein produziert und konsumiert, aber er blieb mehr oder minder ein Geheimtipp. Erst in den 1960er- Jahren erkannte man das große Potential der Weine der Region und begann im großen Stil, Sekt (wie in der Champagne) nach der traditionellen Flaschengärung herzustellen. Pionier war hier das Weinhaus Berlucchi aus Borgonato di Corte Franca. 1967 verlieh der Staat den Weinen und Schaumweinen das begehrte Prädikat „D.O.C.“ (Denominazione di Origine Controllata = kontrollierte Ursprungsbezeichnung). 1995 erhielt die Franciacorta die noch begehrtere Bezeichnung D.O.C.G. (Denominazione di Origine Controllata e Garantita = kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung), mit der Italien seine Spitzenweine ausweist.
Das Besondere daran ...
Was ist nun das Besondere an Franciacorta D.O.C.G.? Der Schaumwein ist von strohgelber Farbe mit zartem Grünschimmer, hat einen feinen, aber eindeutigen Hefegeschmack und eine feinwürzige, fruchtige Note. Der natürliche Alkoholgehalt beträgt mindestens 11,5 Vol. %. Der Schaumwein darf nur aus den Rebsorten Chardonnay, Pinot nero und/oder Pinot bianco hergestellt werden. Von der Ernte bis zum Verkauf müssen mindestens 25 Monate vergehen, in denen er dann mindestens 18 Monate in der Flasche reift. Für den Fraciacorta „Millesimato“ müssen sogar ganze 37 Monate nach der Ernte vergangen sein, in denen er 30 Monate auf der Hefe in der Flasche lagerte, bevor er verkauft werden darf. Der „Millesimato“ trägt das Erntejahr auf dem Etikett und wird nur in Jahren mit besonders guten klimatischen Bedingungen abgefüllt.
Wie beim Champagner gibt es auch beim Franciacorta nicht nur Geschmacks-, sondern auch Qualitätsunterschiede. Die lassen sich am besten vor Ort feststellen, zum Beispiel beim nächsten „Festival del Franciacorta“.
Ausführliche Informationen über Franciacorta und das Festival, über Weingüter, Weine und Schaumweine, Übernachtungsmöglichkeiten und Pauschalangebote, über Klöster, Burgen und andere Sehenswürdigkeiten sowie die „Strada del Franciacorta“ finden Sie im Internet auf Italienisch, Englisch und Deutsch unter
www.stradadelfranciacorta.it.
Wie schmeckt Franciacorta?
Franciacorta gibt es in sechs verschiedenen Geschmacksrichtungen, von natur bis halbtrocken, je nachdem, wie viel Wein und Zuckersirup vor dem Verkorken zugegeben wird:
Ohne Dosage (Pas Dosé, Dosage Zéro, Nature): besonders trocken, außergewöhnliche Prägung, erfrischend prickelnd. Eignet sich besonders als Aperitif.
Extra Brut: trocken; ideal zu Zwischenmahlzeiten und als Aperitif. Schmeckt hervorragend zu Salzgebäck.
Brut: trocken und zart; empfiehlt sich zu ofengebackenen Gerichten und gebackenem Gemüse.
Extra Dry: trocken und weich; passt hervorragend zu würzigem Weichkäse und zu Eis.
Sec: trocken, ein wenig weich; schmeckt exzellent zu pikantem Weichkäse und Eis.
Demi-sec: halbtrocken, starkes Aroma, weich und samtig; empfiehlt sich besonders zu Nachspeisen.
Darüber hinaus gibt es noch zwei weitere Franciacorta-Spezialitäten:
Franciacorta Satèn Brut: Höchste Harmonie in Aroma und Geschmack, cremig und weich. Passt besonders gut zu ofengebackenen Nudelgerichten, leichten Reis- und Fischgerichten.
Franciacorta Rosé: Weiße und rote Trauben werden getrennt vergärt und die Beeren sanft gekeltert. Die Farbe reicht von zartrosa bis rubinrot. Er empfiehlt sich zu Süßgebäck, als Aperitif, aber auch zu gekochtem und gebratenem Fleisch und zu Wurstwaren.