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Maibowle macht munter
Kaum ein Monat ist so sehr mit bestimmten Getränken verbunden wie der Mai – zum Beispiel mit der nach ihm benannten Bowle
„Life isn’t just a bowl of cherries“ – das Leben sei keine Schüssel voller Kirschen, sagt der Engländer, wenn er den Eindruck hat, das Leben sei kein „Honigschlecken“, wie wir Deutschen sagen. Ist die runde Obstschüssel (engl. bowl) also aus Trotz zum Inbegriff einer ganzen Getränkegattung geworden? Ihre erste große Blüte erlebte die Bowle in den Salons des 19., ihre letzte in der Partykultur der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Die Maibowle, deren unverzichtbarer Bestandteil Waldmeister ist, wurde schon im Jahre 854 n.Chr. von einem Benediktiner-Mönch kreiert. Was seine Bowle genau enthielt, wissen wir nicht, aber eines der traditionellsten Rezepte geht so: Eine Flasche kalten trockenen Riesling in ein Bowlegefäß füllen, einen Bund Waldmeister so hineinhängen, dass nur die Blätter vom Wein bedeckt sind, 15 bis 20 Minuten ziehen lassen, herausnehmen und zu guter Letzt mit einer Flasche kalten Sekts auffüllen.
Es gibt unzählige Variationen dieses Grundrezepts – mit Apfelsaft, Cidre oder weißem Traubensaft statt Weißwein, mit Mineralwasser oder Bier statt Sekt, mit Früchten (Erdbeeren, Pfirsichen, Aprikosen, Bananen, Birnen), mit Blättern von schwarzer Johannisbeere, Pfefferminze, Estragon, Pimpinelle, Thymian oder Salbei… Waldmeister jedoch sollte immer dabei sein.
Was ist eigentlich Waldmeister?
Waldmeister (lat. Asperula odoratua), auch als Maikraut, Waldmännchen, Leberkraut und Herzfreude bekannt, wächst von Ende April bis in den Juni in schattig-feuchten Busch- und Nadelwäldern. Waldmeister wird vor der Blüte gepflückt und entfaltet sein Aroma erst, wenn er schon ein bisschen getrocknet ist. Verantwortlich für den typischen Waldmeisterduft ist Kumarin. In geringeren Mengen wirkt er euphorisierend und lindert Kopfschmerzen. Höher dosiert, verursacht er jedoch Schwindel und Kopfschmerzen.