
Foto: Pago de Larrainzar
Ein Häppchen und ein Schluck
In der nordspanischen Region Navarra sind edle Weine und erlesene Speisen ebenso alltäglich wie Regen, Hitze und Siesta.
Die autonome Region Navarra in der Mitte Nordspaniens ist geprägt von der felsigen, oft sturmgeplagten Atlantikküste im Nordwesten, den talreichen Pyrenäen und ihren Ausläufern im Nordosten, dem trockenen Becken rund um Pamplona und den Ufern des Flusses Ebro im Süden.
Diese eher nüchterne Beschreibung spiegelt die natürliche Vielfalt des ehemaligen Königreichs: Das Bergland im Norden ist reich an Wäldern, Weiden und Regen – bis zu 1800 Millimeter pro Quadratmeter im Jahr. Der Süden ist heiß und trocken und von dürrer Steppe bedeckt, hier beträgt der Niederschlag gerade mal 300 Millimeter.
Im Urlaubsgepäck sollte also stets eine Kopfbedeckung, festes Schuhwerk und eine Regenjacke mit dabei sein – und ein baskischer Sprachführer, denn Navarra ist Teil des Baskenlandes, und Baskisch ist neben Spanisch allgegenwärtig – wie der Wein.
Frauenweine in einer Männerwelt
Schon die Römer bauten in Navarra Wein an. Doch nachdem unterschiedliche Machthaber die Region besetzten und anderen Getränken den Vorzug gaben, kam der Weinbau für lange Zeit zum Erliegen. Erst im 12. Jahrhundert, als Mönche aus Cluny an der Loire und Cîteaux im Burgund in Navarra Klöster errichteten, erlebte der Weinbau wieder einen Aufschwung.
Spürbar ist das noch heute an der Weinroute Ruta de los Vinos de Santiago, die an der wohl berühmtesten Pilgerstrecke der Welt, dem Jakobsweg, entlangführt, an dem viele alte, wunderschön erhaltene Ortschaften, Kirchen, Klöster, Paläste und Bodegas liegen.
Heute erstrecken sich die fünf Weinbauregionen Navarras über 15 280 Hektar südlich von Pamplona. Erzeugt werden überwiegend (70 Prozent) kräftige, extraktreiche Rotweine aus den alten spanischen Rebsorten Tempranillo und Garnacha sowie den modernen französischen Sorten Cabernet Sauvignon und Merlot.
Auf 25 Prozent entfallen herb-fruchtige Rosé-Weine (Rosada oder Clarete) und auf etwa fünf Prozent trockene Weißweine mit floralen Noten aus Chardonnay- und Viura-Reben sowie süßer Moscatel-Wein.
Navarra hat eines der liberalsten Weingesetze Spaniens, und darum findet man auch so ziemlich jeden Weinstil: reinsortige Tropfen und Cuvées in allen möglichen Kombinationen, herrlich altmodische Landweine und moderne Designerweine, Weine von bis zu 70 Jahre alten Reben und dreijährigen „Kindern“.
Das Spektrum der Rotweine reicht dabei von jungen, kantigen Kraftprotzen bis hin zu 36 Monate im Holz gelagerten Gran Reservas aus einer Einzellage (spanisch: Pago), die frühestens nach zehn Jahren trinkbar sind, aber dann so manchen Bordeaux in puncto Eleganz, Vielschichtigkeit und samtweichem Schmelz in den Schatten stellen.
Leider werden auch zahlreiche Weißweine in Barrique-Fässern ausgebaut, was ihnen oftmals die Frucht raubt. Aber das ändert sich gegenwärtig: Sowohl in den Bodegas in Familienbesitz wie auch in den Kooperativen arbeiten erstaunlich viele gut ausgebildete Frauen.
Sie reduzieren nicht nur die Fasslagerzeit, sondern pflanzen auch verstärkt wieder die alten Rebsorten an. Und das Schöne dabei: Immer mehr dieser Weine gehen in den Export und sind so auch außerhalb Navarras erhältlich.
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.navarraweine.com (deutsch)
Unser Buchtipp:
„Der Apostel und die silberne Artischocke. Legenden aus Spaniens Norden“ von Claudia Diemar, Reihe Picus Lesereisen, Picus Verlag, Wien 2005, 13,90 Euro