Portugals Rotweine: Auf dem Weg zur Spitze
„Jedem Portugiesen seinen Weinberg“, sagt man in Portugal. Und tatsächlich: Kein Land der Welt verfügt über so viele verschiedene Rebsorten und eigenständige Weine wie die iberische Republik.
Schwerpunkt: eigene alte Rebsorten
Angesichts des weltweiten Siegeszugs von Cabernet und Merlot bildet Portugal mit seinen rund 500 autochthonen Rebsorten – d. h. Sorten, die sonst nirgendwo auf der Welt zu finden sind – noch eine der letzten Bastionen der Vielfalt und Eigenständigkeit. Zwar experimentiert man hier und da auch mit Weinen internationalen Stils, der Schwerpunkt der portugiesischen Weinproduktion liegt jedoch auf den eigenen alten Rebsorten. Sie wachsen in 32 zum Teil erst in den letzten Jahren festgelegten Qualitätsregionen, von denen 26 den Status einer Denominação de Origem Controlada (D.O.C.) genießen.
Das Douro-Tal
Einige der besten Rotweine kommen aus dem Douro-Tal, der Heimat des Portweins, im Nordosten der Republik. Östlich der Stadt Porto erstrecken sich entlang dem Douro trockene, verwitterte Schieferböden-Terrassen, auf denen u. a. Touriga Nacional, Touriga Francesa und Tinta Roriz (in Spanien Tempranillo genannt) angebaut werden. Touriga Nacional liefert dunkelrote Weine mit feiner Frucht (Schwarze Johannisbeere), einer vielschichtigen Geschmacksstruktur und reichlich Tanninen. Weine aus Touriga Francesa sind etwas leichter und weicher als die aus Touriga Nacional und bestechen durch feine Aromen und Bukettreichtum. Tinta Roriz, der zunehmend sortenrein ausgebaut wird, bietet eine reichhaltige Fruchtpalette (Kirsche, Brombeere, Maulbeere), ein kräftiges Tanningerüst und eine tiefrote bis schwarzviolette Farbe. In der nordöstlich von Lissabon gelegenen Region Dão werden aus Touriga Nacional sehr langlebige, körperreiche Weine gewonnen. Die Küstenregion Bairrada zwischen Lissabon und Porto verdankt ihren Namen dem Lehm (barro), der – neben den verbreiteten Kalkböden – den Weinen einen besonderen Charakter verleiht. Bairrada ist auch die Heimat der Baga, der meistangebauten Rebsorte Portugals, aus denen tanninreiche, säurebetonte und ebenfalls sehr langlebige dunkelrote Weine mit reichen Fruchtaromen gewonnen werden.
Ribatejo – neben Quantität auch Qualität
Ungefähr ein Dutzend kleiner Anbaugebiete bilden im östlichen Hinterland von Lissabon die Region Ribatejo, wo an den Ufern des Tejo die besten Weine wachsen. Bislang kamen aus der zweitgrößten Weinregion Portugals Weine mit fester Struktur und natürlicher Komplexität, doch eher zurückhaltenden Aromen und ohne typischen Charakter. Einige junge Winzer gehen jedoch innovative Wege, so dass auch von dort einiges zu erwarten ist.
Das "Kalifornien" Portugals
Die südöstlich gelegene Region Alentejo, wegen ihres heißen Klimas das „Kalifornien Portugals“ genannt, genießt zurzeit bei Weinfreunden hohes Ansehen. Aus internationalen, aber auch einheimischen Rebsorten wie Tinta Roriz, der hier Aragonez heißt, Periquita und Trincadeira werden sowohl auf traditionelle wie auch auf moderne Art und Weise Spitzenweine gekeltert. Leider sind die sehr guten portugiesischen Weine in Deutschland oft sehr teuer. Und manchmal, wenn der Holzton schon die Fruchtnoten überdeckt, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie zu lange im Holzfass gelegen haben. Für Weinkenner lohnt sich eine Reise!