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Renaissance des Cognacs
Von wegen out! In jeder Sekunde werden weltweit vier Flaschen Cognac gekauft. Vor allem die junge Club-Szene hat den Weinbrand für sich entdeckt, on the rocks oder als Zutat für coole Cocktails.
Im kleinen Städtchen Cognac hingegen wird die Tradition gepflegt. So bei der alljährlichen Versteigerung für einen guten Zweck.
„3500“, der Auktionator zeigt mit seinem kleinen weißen Hammer auf einen älteren Herrn im Publikum. „4000 hier links … 5000 da hinten … wer bietet 6000? 6000 Euro für vier Flaschen Cognac Martell…“ Der Hammer zielt kreisend durch den Raum, es ist mucksmäuschenstill – und das, obwohl die 600 Gäste derweil genüsslich speisen. „Ja, sehr gut – 6000 hier vorn, höre ich 6500? 6500?“ Der Hammer bewegt sich erneut…
Nach zwei Minuten ist die Auktion vorbei, und die vier Flaschen "The Martell Monstres" wechseln für 7200 Euro den Besitzer. Das Mindestgebot betrug 2500 Euro. Das Gala-Dinner „La Part des Anges“ mit anschließender Versteigerung von Cognac-Raritäten gilt als Höhepunkt des Cognac-Jahres.
Insgesamt 26 Positionen kamen 2011 unter den Hammer, darunter äußerst seltene Tropfen aus den Jahren 1972, 1940, 1961 und 1966 sowie Cognacs, die ausschließlich für diese Auktion abgefüllt wurden. Spitzenreiter war eine 5-Liter-Flasche „Millésime 1985 – 25 Ans“ von Frapin: Bei 15 000 Euro erfolgte der Zuschlag. Insgesamt konnten 100.600 Euro an den Malteser-Orden in Frankreich überwiesen werden – für gute Zwecke versteht sich.
Was macht so eine Flasche Cognac (0,75 Liter, 52 Prozent Alkohol) so teuer? Der Wein kann es nicht sein, denn der wird in einem klar abgegrenzten Gebiet rund um die Stadt Cognac überwiegend aus weißen Ugni-blanc-Trauben gekeltert. Die Weine sind recht sauer und haben einen Alkoholgehalt von gerade einmal neun Prozent – sie sind also zu schwach und zu bitter, um als Trinkwein zu schmecken.
Nach dem Keltern wird der Wein zweimal destilliert. Am Ende bleibt das Herz übrig, ein von Vor- und Nachlauf getrennter, kristallklarer Feinbrand mit 60 Prozent Alkohol, der wie ein kräftiger Obstler riecht. Etwa zehn Euro erhält ein Destillateur von den großen Cognacfirmen für einen Liter dieses „Eau de vie“ genannten hochprozentigen Schnapses.
Nun wird diese klare Flüssigkeit in Eichenfässer gefüllt. Das Holz verwandelt den klaren Rachenputzer in einen hocharomatischen, goldgelben bis feurigbraunen Cognac, es verleiht ihm Farbe und Aroma. Je nachdem wie lange und in welchem Fass der Cognac reift, ob in neuen oder gebrauchten, in großen oder kleinen Fässern und wie stark diese innen ausgebrannt oder „getoasted“ wurden, entstehen die unterschiedlichsten Cognacs.
Während des jahrelangen Alterungsprozesses entzieht der Cognac dem Eichenholz Duft- und Aromastoffe, die zum Beispiel an verschiedene Hölzer, Vanille, Beeren- und Trockenfrüchte, Karamell, Kakao und Tabak, Pilze und Waldboden erinnern. Gleichzeitig verliert er durch den Kontakt mit der Luft nach und nach an Alkohol und Volumen, etwa zwei Prozent pro Jahr, auch „la Part des Anges“ (der Anteil der Engel) genannt. Auf diese Weise gehen jährlich umgerechnet über 20 Millionen Flaschen Cognac verloren!
In der Region Cognac, rund 500 Kilometer südwestlich von Paris, gehen die Uhren deutlich langsamer – und das ist das erste große Geheimnis des Cognacs (und ein Grund für seinen Preis): die Zeit. Theoretisch kann ein Cognac über hundert Jahre im Holzfass liegen. In der Praxis lagern die meisten jedoch nur zwei Jahre (***, VS), vier Jahre (VSOP, Réserve) oder sechs Jahre (XO, Napoléon) im Fass, bevor sie mit älteren Jahrgängen vermählt, mit Wasser auf 40 Prozent Alkohol verdünnt und in Flaschen abgefüllt werden – über 140 Millionen pro Jahr.
Da kann es durchaus vorkommen, dass ein VSOP-Cognac zum Beispiel von Rémy Martin auch 14 Jahre alte Cognacs enthält oder ein XO sogar bis zu 37 Jahre alte Tropfen. Angegeben wird jedoch nur der jüngste Cognac. Gerade diese Mischung aus unterschiedlichen Cognacs, die aus verschiedenen Regionen, Fässern und Jahrgängen stammen, ist das zweite große Geheimnis des Cognacs und seiner unendlich vielen Aromen.