
Foto: Deutsches Weininstitut (DWI)
Rosé – der Sommerwein
Lange Zeit galten Roséweine als leichte, süße Bonbonweine, die hauptsächlich von Frauen getrunken werden. Heute greifen aber auch Männer gerne mal zum Glas Rosé, denn die meisten sind alles andere als süß, nämlich fruchtig, trocken, frisch und leicht.
Rosé verbindet die Frische des Weißweins mit der Frucht des Rotweins und hat in der Regel weniger Alkohol als ein Rotwein. Doch um es gleich vorweg zu sagen: Das Mischen von Weißwein mit Rotwein zur Erzeugung von Roséwein ist in der Europäischen Union verboten! Roséwein muss aus roten oder blauen Rebsorten wie Weißwein gekeltert werden. Die einzige Ausnahme ist die Champagne: Nur dort dürfen Rot- und Weißweine für einen Rosé-Champagner gemischt werden, woanders nicht.
Traditionell werden für Roséwein blaue oder rote Trauben unzerkleinert gepresst und dann zwei bis drei Tage stehen gelassen, damit sich der rote Farbstoff aus den Schalen löst. Der Fruchtsaft ist nämlich bei dunklen wie auch bei hellen Trauben immer hellgrün bis hellgelb. Seine rote bis blauschwarze Farbe erhält der Wein ausschließlich durch den Pflanzenfarbstoff, die Anthocyane, die sich ausschließlich in der Haut befinden. Wenn der Saft genug Farbe angenommen hat, wird er gefiltert und vergoren. Je länger der Saft Kontakt mit den Schalen hatte, desto dunkler wird er.
Deutschland wartet mit einigen regionalen Rosé-Spezialitäten auf: Für den Weißherbst werden ausschließlich Portugieser- und Spätburger-Trauben verarbeitet. Der Rotling entsteht durch das gemeinsame Keltern von roten und weißen Trauben. Badisch Rotling ist ein Rotling aus Baden, der ausschließlich aus Grau- und Spätburgunder bereitet wird. Der Schillerwein schließlich ist ein Rotling aus Württemberg, der seinen Namen nicht dem Dichterfürsten Friedrich von Schiller, sondern seiner schillernden Farbe verdankt.
Doch auch Österreich und die Schweiz haben etwas Besonderes zu bieten: In der Steiermark ist die rote Rebsorte Blauer Wildbacher Grundlage für den Schilcher. In den Schweizer Regionen Neuenburg und Genf nennt man Rosé aus Spätburgunder Œil de Perdrix.
In Deutschland liegt der Anteil von Roséweinen konstant bei 8 Prozent aller produzierten Weine. Durch starke Importe vor allem aus Frankreich (Côtes du Rhône, Côtes de Provence, Anjou, Tavel, Bordeaux), Italien (Venetien, Friaul, Abruzzen, Toskana, Sizilien) und Portugal (Mateus Rosé) ist inzwischen jede achte Weinflasche, die geleert wird, ein Rosé – Tendenz steigend. Bekannte Markenweine wie Blanchet (Frankreich), Golden Kaan (Südafrika), Gallo (Kalifornien) und Villa Rosa (Italien) haben die Zeichen der Zeit erkannt und produzieren inzwischen auch knackige, frische Rosés.
Text: Rainer Meier
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